Dezember 2018 / Januar 2019

Auf Gott stolz sein

Gedanken zu Jeremia 9:
(22) So spricht Jahwe:
„Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Starke sei nicht stolz auf seine Stärke, und der Reiche gebe nicht an mit seinem Geld.
(23) Grund zum Rühmen hat nur, wer mich erkennt und begreift, was ich will; wer einsieht, dass ich Jahwe bin, der auf der Erde Gnade, Recht und Gerechtigkeit schafft! Denn das gefällt mir“, spricht Jahwe.

Liebe Leser!

Es geht um Worte aus dem Buch Jeremia. Jeremia leidet an dem Unglück, das das Volk Israel durchmacht. Doch das Volk ist eigensinnig. Es lebt nach eigenen Gesetzen. Lüge und Betrug gehören zur Tagesordnung. Sie laufen Götzenbildern hinterher.
Das Gesetz des Herrn hat keine Bedeutung mehr. Und Gott kündigt Gericht an. Das Thema, das ich den beiden obigen Versen zuordne heißt: Auf Gott stolz sein

Schauen wir uns den Aufbau dieser beiden Verse mal genauer an. Man kann hier einen dreifachen Dreiklang beobachten:
Der erste Dreiklang: Jahwe – Jahwe – Jahwe
Jahwe bedeutet: Ich bin der ich bin. Er ist der Ewige, – der immer war, – jetzt ist und ewig sein wird. – Sein Name steht am Anfang von unserem Text, – in der Mitte und schließt unsere Verse ab. Jahwe steht hoch erhaben über allem.
Der zweite Dreiklang: Weisheit – Stärke – Geld
Jeremia beschreibt hier drei Mächte, auf die man nicht stolz sein soll. Das schauen wir uns nachher genauer an.
Der dritte Dreiklang: Gnade – Recht – Gerechtigkeit
Hier kommt Gott zu Wort. Die einzige Macht, auf die man stolz sein soll, ist der allmächtige Gott. Und er ist nicht zufällig weise, stark oder reich. Er schafft Gnade, Recht und Gerechtigkeit.
So viel zum Aufbau, jetzt die Details: „Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit,“ Wenn ich im Alten Testament das Wort Weisheit lese, denke ich an den König Salomo.
Salomo war nicht nur sehr weise, sondern auch sehr reich und sehr mächtig. Aber all das ist es nicht Wert stolz darauf zu sein. Die Ursache von seinem Reichtum und seiner Weisheit wird uns berichtet: Es ist sein Gott Jahwe. Nur ihm hat er das alles zu verdanken. Nur weil Salomo Gott als seinen Herrn erkannt hat, hat Gott sein Leben gesegnet. Jahwe ist der einzige Grund zum Rühmen.
Auf Gott stolz sein
Wie ist das heute in unserem Volk. Auf was sind die Deutschen stolz? Sind es die Erfindungen? – Aber woher kommt die Weisheit? In der Politik will jeder groß rauskommen. Mit seiner Weisheit glänzen.

Wie ist es in der Wirtschaft? – Die Werbung zeigt uns, worauf wir stolz sein sollen. Zum Beispiel mein tolles Auto mit vielen schönen Extras. – Oder der neue Computer oder das neue Smartphone. – Und wenn ich diese Schuhe hab, dann bin ich up-to-date. – Ohne diese geniale Zahnpasta kann ich nur noch zahnlos lächeln. Mit der richtigen Schmerzcreme kann ich auch im Alter meinen Enkeln noch zeigen, dass ich stark und dynamisch bin. Oder meine Arbeit in der Firma. Ich bin so gut, dass ich eigentlich jedes Jahr als der beste Angestellte des Jahres geehrt werden müsste.

Vers (22) heißt nicht, dass wir nicht weise, stark oder reich sein dürfen.
Hier steht nicht: Seid nicht weise, seid schwach und seid arm. Es ist auch erlaubt Anerkennung oder Dank anzunehmen. Die Frage ist, ob man an mir als Geschöpf den Schöpfer als Ursache erkennt.
Die Ehre sei Gott. Von ihm kommt alles. Er beschenkt uns.
Er nimmt uns an, ob wir weise sind oder nicht. Er steht zu uns, ob wir stark sind oder nicht. Er versorgt uns, ob wir reich sind oder nicht. Für was können wir uns da noch rühmen?
Vers (23) werden jetzt die Taten Gottes beschrieben. – Was tut Gott denn hier auf der Erde?
„der auf der Erde Gnade, Recht und Gerechtigkeit schafft!“ Mir ist aufgefallen, dass bei der Aufzählung das Wort Gnade an erster Stelle steht. Was ist eigentlich Gnade? – Es ist ein unverdientes Wohlwollen.
Oder anders gesagt: Das Recht wird nicht durchgesetzt.
Im Alten Testament hat Gott den Sünder geschont. Gottes Gnade hat die Strafe aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Gott war geduldig, aber der Mensch blieb unter der Last seiner Schuld. Die Gerechtigkeit und damit die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott blieb aus. So war das im Alten Bund.

Ich will an dieser Stelle etwas zum Verständnis vom Alten und neuen Testament erklären.
Gott hat mit Abraham einen Bund geschlossen. Und zwar mit ihm und seinen Nachkommen. Ein Bund ist wie ein Vertrag. Beide Parteien verpflichten sich Zusagen einzuhalten. Interessant ist, dass der Bund Gottes mit Abraham allein von Gott abhängig ist. Der Mensch Abraham ist entlastet.
Vertragspartner sind Gott und die Nachkommen Abrahams, also das Volk Israel.
Alles, was im Alten Bund vereinbart wird, gilt für die Vertragspartner.
Wer vom Volk Israel diesen Bund anerkennt, ist auch an seinen Inhalt gebunden.
Im neuen Testament lesen wir von einem Neuen Bund. Wer ist hier Vertragspartner? – Und was ist der Inhalt von diesem Neuen Bund?
Durch den Tod Jesu am Kreuz wird das Böse vernichtet. Gottes Gnade wird für jeden Menschen greifbar. Jeder, der Jesus in sein Leben aufnimmt ist Gottes Kind. Jesu Blut wäscht alle Schuld ein für allemal weg. Heißt das, dass Gott im neuen Bund ungerecht ist, weil er uns nicht bestraft? – Nein!
Gott vollstreckt seine Gerechtigkeit am Leiden und Sterben Jesu. Sein Blut ist meine Gerechtigkeit.
Es gibt nichts, was meine Beziehung zum Vater im Himmel stören kann. Jesus hat es schon in Ordnung gebracht. Er als Gottes Sohn ist ewig. So ist auch sein Opfer am Kreuz ewig.
Und ähnlich wie beim Alten Bund, ist Gott der Einzige, der handelt. Die Vertragspartner sind alle Menschen aus allen Völkern. Und zwar jeder, der diesen Bund anerkennt.

Mit diesem Gnadenangebot macht sich Gott berechenbar. Er bietet jedem seine Vaterschaft an.
Das gibt es in keiner Religion. Nur in Gottes heiligem Wort finden wir diese Neuschöpfung. Was haben wir für einen großen und wunderbaren Gott.
Es ist kein Gott der willkürlich handelt. Wo keiner weiß, wo er dran ist. Der den einen verstößt und den anderen, der genauso handelt annimmt.
Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Und da gibt es nichts, mit dem ich vor Gott angeben könnte, dass es auf meinem Mist gewachsen ist.
Keiner von uns war schon immer ein Heiliger. Wir sind alle begnadigte Sünder. Wenn für uns der Neue Bund gilt, was interessiert uns der Alte Bund?
Müssen wir den Alten Bund auch halten? – Das ist nicht möglich. Ich kann nicht Auge um Auge, Zahn um Zahn ausleben und gleichzeitig die Feindesliebe praktizieren. Ich brauch auch keine Tiere opfern. Jesus hat durch sein Opfer am Kreuz alles bezahlt.
Aber warum lese ich das Alte Testament? – Und erst recht: Warum wird heute unter Christen noch aus dem Alten Testament gepredigt?
Das hat mehrere Gründe. Zum einen lernen wir das Wesen Gottes kennen, wenn wir sowohl den Alten, als auch den Neuen Bund betrachten.

Außerdem sind im Miteinander von Nicht-Christen und Christen in dieser Welt einige Regeln aus dem Alten Bund sinnvoll. Nicht umsonst sind die 10 Gebote in der Entstehung von unserem Grundgesetz eine wichtige Basis.
Und doch sollen wir den Neuen Bund nicht mit dem Alten Bund vermischen. Jesus drückt das so aus: man füllt nicht alten Wein in neue Schläuche. Sonst zerreißt es den alten Schlauch und Schlauch und Wein sind kaputt.
Der Neue Bund hat seine eigenen Regeln. Auch wenn uns Etliches vom Alten Bund her bekannt vorkommt.
Wie ist das nun mit unseren Versen aus Jeremia 9? – Wie kann ich feststellen, ob das, was Jeremia über den Stolz oder das Rühmen sagt für uns gilt?
Wir schauen nach, ob wir in unserem Vertrag auch etwas dazu finden. Und tatsächlich – Paulus greift den Vers 23 aus Jeremia 9 im 1. Korintherbrief auf (bitte 1. Korinther 1,26-31 lesen)
Also auch für uns im Neuen Bund gilt: Gottes Ehre steht im Mittelpunkt!
Im Alten Bund hat Israel die Beziehung zu Gott geschenkt bekommen. Gott ist der König und Herrscher der Juden.
Der Neue Bund gibt uns viel mehr. Gott schenkt uns in seiner Gnade die Reinheit von aller unserer Schuld. Er nimmt uns in seine Familie auf.
Und er verspricht uns ewige Gemeinschaft mit ihm. Jesus ist durch seinen Geist hier auf der Erde immer bei uns. Und im Himmel werden wir dann auch immer mit ihm Gemeinschaft haben. – Halleluja!

Wenn das kein Grund ist, auf unseren Vater im Himmel stolz zu sein?

Euer Pastor Timon Fuchs