April / Mai 2019

Erst hören, was Jesus sagt!

Gedanken zu Lukas 10, 38-42:

Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf, wo ihn eine Frau mit Namen Martha in ihr Haus einlud. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu. Martha hingegen machte sich viel Arbeit, um für das Wohl ihrer Gäste zu sorgen. Schließlich stellte sie sich vor Jesus hin und sagte: »Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!« –  »Martha, Martha«, erwiderte der Herr, »du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.«

Liebe Leser! Welche Überschrift könnten wir für diese Geschichte wählen? Wie wäre es mit „vom richtigen Umgang mit Gastgebern“? Oder: „wer nicht arbeitet, soll wenigstens gut essen“? Ich habe folgende Überschrift gewählt:Erst hören, was Jesus sagt!

In Vers 38 lädt eine Frau Jesus und seine Jünger ein. Durfte eine alleinstehende Frau mit Rücksicht auf Sitte und Anstand eine Männergruppe in ihr Haus aufnehmen? Das war schon ungewöhnlich. Aber Martha war ja nicht allein. Ihre Schwester Maria war ja auch noch da. In einem anderen Bericht wird deutlich, dass da noch ein Bruder dazugehörte, der Lazarus hieß. In unserer Begebenheit wird er nicht genannt.

Martha gehörte zu den wohlhabenden Juden. Nicht jeder konnte mal eben mehr als 10 Gäste einladen und bewirten. Jesus lässt sich einladen. Er macht keinen Unterschied zwischen arm und reich. Jeder Mensch braucht die Erlösung von seiner Gottesferne. Wer sich dem Angebot Jesu zuwendet, dem begegnet Jesus.

Martha war also eine ungewöhnliche Frau. Doch das gilt auch für ihre Schwester Maria. „Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte ihm zu.“ Wieder ist es gut einen Blick in die damalige Zeit und Kultur in Israel zu werfen. Ein Rabbi hatte Jünger. Frauen hatten da keinen Platz. Da ist es sicher aufgefallen, dass Maria sich, genau wie die Jünger, zu Jesu Füßen setzte. Es war ihr wichtiger Jesu Worte zu hören, als ihrer Aufgabe der Gastfreundschaft nachzukommen. Und Jesus schickt sie nicht weg. Er sagt nicht: „Was fällt dir ein, dich als Frau zu meinen Jüngern zu setzen“.

Die Jünger hatten mittlerweile schon erlebt, dass Jesus nicht irgendein Rabbi ist. Er geht mit vielen Situationen anders um als die Rabbis vor ihm. Von den Jüngern wird uns auch keine Reaktion darauf beschrieben.

Aber es gibt eine Person, die sich daran stört: Martha! (Vers 40)  Martha war wohl die Managerin des Hauses. Sie hat mal eben 13 Gäste eingeladen. Das bedeutete volles Programm. Martha war völlig in Anspruch genommen vom vielen Dienen. Im griechischen steht hier das Wort „diakonos“. Ihre diakonische Arbeit lief auf Hochtouren. Alle Gäste sollten sich wohlfühlen. Essen und Trinken war bereit zu machen. Für die Hygiene am Tisch musste gesorgt werden. Die Gäste mussten bedient werden. Und alles sollte möglichst perfekt über die Bühne gehen. In Gedanken hatte sie bei der ganzen Arbeit ihre Schwester Maria sicher einkalkuliert. Schließlich gehörte sie ja auch zur gastgebenden Familie.

Martha ist überfordert. Sie schafft es nicht alleine. Das kann doch nicht wahr sein, dass ihre Schwester keinen Finger krumm macht. Das ist ungerecht. Wie kann Jesus das nur mit ansehen – oder merkt er es etwa nicht? Martha macht das einzig richtige. Sie geht mit ihrer Frage zu Jesus. Ich weiß nicht, ob ich mich das getraut hätte an ihrer Stelle.

Rabbi Jesus sitzt in der guten Stube und lehrt seine Jünger. Mich da vor ihn hinzustellen und ihn anzusprechen, da gehört schon ganz schön Mut dazu. Aber vielleicht hat sie sich so über Maria und über Jesus geärgert, dass es nur so aus ihr herausplatzte: »Herr, findest du es richtig, dass meine Schwester mich die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!«.

Das ist schon ein heftiger Vorwurf: Martha appelliert an Jesu Gerechtigkeitsempfinden, nach dem Motto: Das hättest du aber merken müssen, dass die Maria hier ihren Pflichten nicht nachkommt“. – Und dann setzt sie noch einen drauf: Jesus soll gefälligst der Maria befehlen ihr beim Dienen zu helfen.

Martha stellt Jesus in Frage und diktiert ihm, wie er die Situation gerade biegen soll. Martha muss emotional ganz schön unter Druck gestanden haben. Und sie lässt es raus. Das klingt schon fast so wie: „Ich brauch deine Meinung nicht, wenn ich mit dir diskutier!“

Wie reagiert Jesus? – (Vers 41) Ich stelle mir vor, dass er liebevoll und in Ruhe antwortet. „Martha, Martha“, sagt er. Er wendet sich ihr ganz zu. Er nimmt sie ernst. Diese Wertschätzung in dieser Situation überwältigt mich. Jesus hatte Martha und Maria lieb. Kritik führt deshalb nicht zum Konflikt. Jesus macht klar, dass er ihre Situation versteht. Ihre Arbeit wird von ihm gesehen und nicht verurteilt.

Ihrer „Unruhe“ stellt er seine „Ruhe“ gegenüber. Ihrem „vielen“ Dienen und Sorgen stellt er „eines“ gegenüber. Vers 42: „aber notwendig ist nur eines. Maria hat das Bessere gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.“ Was ist dieses EINE, was die Not wendet? – Es ist das Hören!

Erst hören, was Jesus sagt!

Wenn ich auf das höre, was Jesus sagt, bin ich auf der sicheren Seite. Jesus aufnehmen heißt nicht zuerst für ihn arbeiten. Ich kann mir die Gemeinschaft mit Gott nicht durch gute Taten verdienen.

Jesus aufnehmen heißt: Hören und glauben. „All denen jedoch, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.“ (Johannes 1,12) Das Handeln folgt dem Hören und Glauben.

Deshalb schickt Jesus die Maria nicht weg. Deshalb darf sie bei ihm sitzen und hören und glauben. Maria hat das Bessere gewählt: Und zwar die Gemeinschaft mit Jesus. Und diese Gemeinschaft soll nicht von ihr genommen werden. Die Taten sind vergänglich. Aber die Gemeinschaft mit Jesus bleibt in Ewigkeit. Martha hatte die Gabe der Gastfreundschaft. Es gibt etwas, was in bestimmten Situationen dem Ausüben der von Gott gegebenen Gabe vorzuziehen ist. Das Hören auf Jesus! Gottes Willen kann ich im Hören erkennen. Blindes Dienen verhindert das Hören.

Welche Gaben hast Du? Was kannst Du statt Gastfreundschaft hier einsetzen? Ist es Deine technische Begabung? Musik? Das Lehren? Das Predigen? Erst durch das aufmerksame Hören erkenne ich die Liebe Jesu. Und nur durch diese Liebe kann ich richtig dienen. Und nur durch Jesu Anweisung kann ich den richtigen Dienst zur rechten Zeit tun. Das Hören auf Jesus vor dem Handeln gilt für jeden Jünger. Egal ob Mann oder Frau. Egal welche Gaben sie oder er hat. Nix nach dem Motto: „der Pastor oder Älteste hört und die anderen folgen“. Jeder hört. Und weil jeder auf Jesus hört funktioniert es gemeinsam. Jesus ist der Kopf und wir der Leib. Wer ist Dein Chef?

Die Worte von Jesus, sein Auftrag steht über allem Dienst. Verliere ich seine Worte und den Auftrag aus den Augen, dann ist mein Dienst nicht mehr Frucht durch Jesus. Bestimmt das Hören auf Jesus mein Handeln? Es geht nicht darum, dass wir uns wohlfühlen. Es geht nicht in erster Linie darum, dass die Menschen in unsere Gemeinde kommen. Unsere Kernaufgabe ist nicht: Menschen einen perfekten Gottesdienst zu präsentieren.

Es ist das Hören auf Jesus und das Umsetzen des Gehörten. In unserer Gesellschaft heute leben wir bedürfnisorientiert. Das hat auch oft auf uns Christen abgefärbt. Wir fragen uns, wie können wir es hier schön machen, damit wir und auch Außenstehende sich wohlfühlen. Jesus spricht nicht von einem Wohlfühlevangelium. Jesus gibt einen Auftrag. Wir sollen auf ihn Hören und auftragsorientiert handeln. Wenn wir uns nicht um unsere Kernaufgabe kümmern, wie kann dann Gemeinde zu Gottes Ehre leben? Jesus baut seine Gemeinde mit den Menschen, die auf ihn hören. Wo verzetteln wir uns mit Randaufgaben und vernachlässigen unseren Kernauftrag? Unser Kern-Auftrag steht in Matthäus 28,18-20: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Da wo der Kernauftrag nicht im Mittelpunkt steht müssen wir umkehren. Und da bin ich gefragt und da bist du gefragt. Wie sieht es mit dem Hören und Gehorchen in unserem Leben aus? Unser Denken ist verblendet durch unsere bedürfnisorientierte Prägung. Wir müssen zurück zur biblischen auftragsorientierten Lebensweise: Hören und Gehorchen! Ich bin gespannt, was Gott in Freital mit uns vorhat.

Kehrt um und glaubt an das Evangelium und gehorcht Jesu Auftrag. Jesus aufnehmen heißt nicht nach eigenem Ermessen Dienen, wie ich denke, dass es gut sein könnte. Wir können von Maria lernen. Jesus aufnehmen heißt: Ihm zuhören und ihm glauben. Das ist immer der erste Schritt. Und wenn ich auf ihn höre, zeigt er auch wie ich seinen Auftrag ausführen kann. Und er gibt seinen Segen, weil er versprochen hat bis an das Ende der Welt bei uns zu sein.

Wichtig ist, offene Ohren zu haben. Erst hören, was Jesus sagt!Und dann nicht danach zu fragen, worauf ich Lust habe, oder wobei ich mich wohlfühle. Lasst uns gemeinsam Hören, Glauben und Gehorchen!

Euer Pastor Timon Fuchs