An(ge)dacht
Jesus ist der Sieger! Bereits im letzten Gemeindebrief haben wir uns zu diesem Thema Gedanken gemacht. Jesus hatte den Jüngern erklärt, dass er beim Vater im Himmel war, bevor er in die Welt kam. Und dass er bald wieder zum Vater zurückkehrt. Dass die Jünger das kapiert haben, sagen sie in den Versen 29 und 30. Ein ehrliches Bekenntnis. Die Jünger stehen zu ihrem Meister. Sie haben verstanden, dass er der Sohn Gottes ist. Aber ist das ein bloßes für wahrhalten oder gelebter Glaube? Jesus stellt die Aussage der Jünger in Frage – Verse 31 und 32. Ist die Nachfolge der Jünger nur Theorie? Wie sieht die Praxis aus? Als Jesus verhaftet wird, sind alle weg. Ihr eigenes Leben ist ihnen wichtiger, als das von ihrem Meister. Also wenn ich damals gelebt hätte, ich wär sicher nicht weggelaufen – oder? Solange wir in unserem gewohnten Alltag sind fühlen wir uns wohl. Alles geht uns leicht von der Hand, wir müssen uns nicht besonders anstrengen, brauchen kaum nachzudenken. Routinearbeiten, Familie und Freunde, unser vertrauter Wohnort. Alles bleibt, wie es ist. Anstrengender wird es, wenn sich etwas verändert oder verändern soll. Krisen zum Beispiel können unseren Alltag erschüttern. In allen Krisen stecken aber auch Chancen. Die Chance zu wachsen. Wir betreten unbekanntes Gebiet. Hier wird es ein wenig schwierig, wir brauchen Energie, fühlen eventuell Verunsicherung oder gar etwas Angst. Wir stellen unsere Gewohnheiten in Frage und das gibt uns die Gelegenheit, uns positiv zu verändern. Wir wissen, dass wir viele Fehler haben. Manches wurde uns in die Wiege gelegt. Kein Elternhaus ist vollkommen. Auch unsere Kindheit war nicht perfekt. Über die Jugendzeit wollen wir jetzt gar nicht reden. Aber auch danach haben wir uns wenig um die Fehler der Vergangenheit gekümmert. So viele schlechte Gewohnheiten und Vorurteile begleiten uns. Theoretisch haben wir bemerkt, dass wir im Lichte Gottes nicht viel glänzen. Natürlich ist Jesus für all das gestorben. Und natürlich vergibt uns Jesus. Aber bleiben wir bei der Theorie stehen? – Oder soll unser Glaube praktisch werden?
Ich habe gemerkt, dass in Bezug auf meine Gefühle manches im Argen liegt. Reaktionen von 3 mir gegenüber anderen Menschen waren nicht in Ordnung. Ich habe mich und andere gefährdet. Da durfte ich nicht stehen bleiben. Es reichte nicht von der Vergebung zu leben. Es war auch Veränderung nötig! Ich hatte mich dann bei einem Seelsorgekurs angemeldet, um an meinen blinden Flecken gearbeitet. Das was ich nicht selbst wahrnehme, sehen andere oft nur zu gut. Und die Ausbilder haben mich angeleitet an mir selbst zu arbeiten. Das kostet Überwindung. Das ist harte Arbeit. Neue, gute Gewohnheiten trainieren – das ist Kampf! Im Licht Gottes hält so Manches nicht stand.
Unsere Gesellschaft versucht uns vom Wesentlichen abzulenken. Zum Beispiel durch hohe Erwartungen an unseren Lebensstandard. Uns wird gesagt: Was im Leben zählt, ist ein eigenes Haus, ein teures Auto und ein angesehener Beruf. Oder die Gesundheit und das Wohlbefinden stehen an erster Stelle. Alles, was den ersten Platz in unserem Leben einnehmen will, verdrängt die echte Nachfolge. Was ist denn das Wichtigste für einen Jünger Jesu? Ist es jeden Sonntag in den Gottesdienst zu gehen? Ist es viel Geld zu spenden? Was hat Jesus seinen Jüngern aufgetragen? In Matthäus 28,19+20 sagt er folgendes:19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Das ist sein Vermächtnis. Das ist der Befehl, der seinen Jüngern gilt! Gott hat entschieden, die Menschheit mit der guten Botschaft durch seine Jünger zu erreichen. Und bei diesem Auftrag ist jeder gefragt, seine Gaben und Fähigkeiten einzusetzen, um diesem Ziel näher zu kommen. Bleibt das Theorie? Wie viel von unserer Lebenszeit setzen wir für den Auftrag Jesu ein? Wie verhalten wir uns als Gemeinde? Ist dieser Auftrag Zentrum unseres Gemeindelebens? Wir haben uns von unserer Umwelt neue Werte diktieren lassen. Neue Gemeindeglieder bekomme ich dadurch, dass ich attraktive Gottesdienste gestalte. Es ist wichtig, dass ich mich wohl fühle. Es ist auch wichtig, dass Gäste sich wohlfühlen. Das ist ja nicht verkehrt, aber es darf nicht an die erste Stelle treten.
Ist irgendetwas wichtiger als Menschen zu Jüngern zu machen? Ich packe mich an meiner eigenen Nase: Ich sehe meine Bequemlichkeit. Ich sehe meine Prioritäten. Geht es mir in erster Linie um den Auftrag Jesu? Es gibt so viel anderes. Es ist ein ständiger Prioritätenwechsel. Heute hier, morgen da. Keine Zeit für … – wie keine Zeit? – Wer organisiert denn mein Leben? Wer teilt denn meine Zeit ein? Es muss sich dringend etwas ändern! Nur was? – Dumme Frage. Natürlich ICH! Ich muss mich ändern. Umkehr zum Herzen Jesu. Jesus näher kennenlernen. Seinen Auftrag ernst nehmen. Und wenn Jesus und sein Auftrag im Mittelpunkt steht, dann werden wir trotz harter Arbeit und Bedrängnissen Freude über den Sieg haben – Vers 33! Ihr habt es sicher gemerkt. Es ist mir nicht leicht gefallen über diese Verse zu schreiben. Es fällt mir schwer, mich von Gott verändern zu lassen. Aber es ist Gottes große Liebe und Gnade zu uns Menschen, die dahintersteckt. Jesus verspricht uns Frieden in unser Herz. Er verspricht uns auch Bedrängnis. Wie bei jedem Kampf gehören Opfer dazu, aber wir sind auf der Siegerseite, weil Jesus schon gesiegt hat. Das ist Grund zur Freude!
Jesus ist der Sieger!